Modul I: Grundlagen
5. Markttypen I, Hauptmärkte
1X2, Doppelte Chance, DNB
1X2 ist der Basismarkt des Fußballs: Heimsieg (1), Unentschieden (X), Auswärtssieg (2), für die reguläre Spielzeit. Drei Ausgänge, und in den großen Ligen ist die Marge hier typischerweise am kleinsten, weil hier Wettbewerb und Umsatz am größten sind. Jeder andere Hauptmarkt lässt sich daraus ableiten.
Die Doppelte Chance deckt zwei Ausgänge zugleich ab: 1X (Heim oder Unentschieden), 12 (irgendjemand gewinnt, nur kein Unentschieden), X2 (Auswärts oder Unentschieden). Ihr fairer Preis ist eine einfache Addition: Ist die Heimchance 50 % und das Unentschieden 25 %, dann deckt 1X 75 % ab, die faire Quote 1,33. Sicherer, dafür ein Markt mit niedrigem Multiplikator.
Das DNB (Draw No Bet) ist die Zwischenlösung: Du wettest auf den Sieger, und bei einem Unentschieden bekommst du deinen Einsatz zurück. Sein fairer Preis wird durch das „Verteilen“ des Unentschiedens berechnet: Die Heim-DNB-Chance ist p1 / (p1 + p2), in unserem Beispiel 50 / 75 = 66,7 %, faire Quote 1,50. Derselbe Markt läuft auch unter dem Namen asiatisches Handicap 0, davon ist in Kapitel 6 die Rede. Zusammengefasst, für dasselbe Spiel (mit fairen Chancen Heim 50 %, Unentschieden 25 %, Auswärts 25 %):
| Markt | Was du abdeckst | Abgedeckte Chance | Faire Quote |
|---|---|---|---|
| 1X2: Heim | Nur Heimsieg | 50 % | 2,00 |
| Doppelte Chance 1X | Heim oder Unentschieden | 75 % | 1,33 |
| Doppelte Chance 12 | Eine der Mannschaften gewinnt | 75 % | 1,33 |
| DNB Heim | Heim gewinnt, Einsatz zurück bei Unentschieden | 66,7 % | 1,50 |
Die drei Märkte werden aus demselben Chancen-Trio bepreist, daher kann keiner von ihnen im Vergleich zu den anderen ein „besseres Geschäft“ sein: Du wählst aus, welches Risiko du zu tragen bereit bist. Was bequemer ist, zahlt verhältnismäßig weniger.
Over/Under-Tormärkte
Auf dem Tormarkt wettest du nicht auf den Sieger, sondern auf die Gesamtzahl der Tore: Over (darüber) oder Under (darunter) im Verhältnis zu einer gegebenen Linie. Die Standardlinie ist 2,5: Da ein halbes Tor nicht existiert, ist die Abrechnung immer eindeutig – bei 3 oder mehr Toren gewinnt Over, bei 2 oder weniger Under, keinen Einsatz zurück.
Bei ganzen Linien (2,0, 3,0) gibt es bereits einen dritten Ausgang: Fällt die Torzahl genau auf die Linie, ist die Wette void, Einsatz zurück (Push). Over 3,0 gewinnt also bei 4+ Toren, gibt bei 3 Toren den Einsatz zurück, verliert bei 2 oder weniger. Die Viertellinien (2,25, 2,75) sind Erfindungen der asiatischen Märkte; damit befasst sich Kapitel 6.
Die Linie und die Quote kodieren zusammen die Torerwartung des Marktes: Liegt das 2,5-Over deutlich unter 2,00, erwartet der Markt ein torreiches Spiel. Modelle arbeiten genau so rückwärts: Sie berechnen aus einer Torerwartung einen Preis (Poisson-Modell, Kapitel 29), und BTTS und Verwandte sind andere Scheiben derselben Torzahl-Verteilung (Kapitel 7).
Der große Vorteil des Tormarktes ist, dass du keinen Sieger wählen musst: Du wettest auf die Frage, wie das Spiel verlaufen wird. Dafür ist die Marge hier typischerweise höher als bei 1X2 – prüfe sie mit der Methode aus Kapitel 4.
Europäisches Handicap
Das Handicap gleicht den Unterschied der Papierform aus: Der Favorit startet mit einem eingebildeten Rückstand. Das europäische Handicap bleibt dreifach: Du kannst auf das modifizierte Ergebnis Sieg, Unentschieden oder Niederlage wetten. Auf dem Markt „Bayern -1“ bedeutet ein Handicap-Unentschieden, dass Bayern mit genau einem Tor gewinnt.
Abrechnung am Beispiel Bayern -1: Bei einem 3:1-Sieg gewinnt „Bayern -1“ (mit dem Handicap 2:1). Bei 2:1 kommt das Handicap-Unentschieden herein (1:1). Bei einem 1:1 oder verlorenen Spiel gewinnt der handicapierte Gegner. Keinen Einsatz zurück: Alle drei Ausgänge sind lebende, zahlende Märkte.
Wozu ist es gut? Statt des 1,20-1X2-Preises des großen Favoriten gibt das -1-Handicap einen nennenswerten Multiplikator, wofür es nicht mehr genügt zu gewinnen – man muss mit Abstand gewinnen. Der Hauptunterschied zwischen dem europäischen und dem asiatischen Handicap ist gerade die Struktur: Das europäische ist dreifach und gibt nie einen Einsatz zurück, das asiatische ist zweifach und kann bei einer ganzen Linie den Einsatz zurückgeben – das rechnen wir in Kapitel 6 durch.
Auf einem Handicapmarkt ist der häufigste Fehler das Missverständnis der Abrechnung: Sieh immer das mit dem Handicap modifizierte Ergebnis an und wisse, ob du eine europäische oder asiatische Linie wettest. Beide sehen auf dem Schein gleich aus, zahlen aber anders.