Modul I: Grundlagen

7. Markttypen III, Spezialmärkte

BTTS, exaktes Ergebnis, Ecken, Props und warum Nebenmärkte teurer sind.
Kostenloses Kapitel

BTTS, exaktes Ergebnis, Halbzeit/Endstand

BTTS (Both Teams To Score) ist eine einfache Ja/Nein-Frage: Erzielen beide Mannschaften ein Tor? Wichtig zu sehen ist, dass dies keine unabhängige Welt ist: Es wird aus derselben Torverteilung bepreist wie Over/Under (Kapitel 5), nur deckt es eine andere Scheibe ab. 2:0 ist zum Beispiel Over 1,5, aber BTTS-nein; 1:1 ist Under 2,5, aber BTTS-ja.

Auf dem Markt exaktes Ergebnis tippst du den Endstand (2:1, 1:1, 0:3 …). Viele Ausgänge, hohe Multiplikatoren, und genau deshalb ein bequemes Terrain für den Buchmacher: Unter den vielen Ausgängen lässt sich unbemerkt eine dicke Marge verteilen. Der Overround des gesamten Marktes liegt hier oft über 20 %, gegenüber den typischen 5 % von 1X2.

Halbzeit/Endstand (HT/FT) kombiniert die zwei Zustände: neun Ausgänge von 1/1 bis 2/2. X/1 bedeutet zum Beispiel ein Unentschieden zur Halbzeit und einen Heimsieg am Ende. Die verlockend hohen Multiplikatoren kommen auch hier aus der natürlichen Mathematik kombinierter Ausgänge mit geringer Wahrscheinlichkeit, ergänzt durch eine großzügige Marge.

Ein Spezialmarkt ist nicht deshalb speziell, weil er nach einer anderen Logik funktioniert: Es ist dieselbe Chancenverteilung, in Scheiben geschnitten. Was ihn anders macht: Auf das Schneiden passt viel mehr Marge.

Ecken, Karten, Spieler-Props

Die Ecken- und Kartenmärkte (Over/Under auf die Eckenzahl, auf gelbe Karten) wirken auf den ersten Blick wie statistische Spielplätze, sind aber in Wahrheit stark kontextabhängig: Die Eckenzahl hängt vom Spielstil ab, die Kartenzahl vom Schiedsrichter und von der Brisanz des Spiels. Ein belangloses, laues Spiel und ein Derby mit denselben Mannschaften ergeben eine völlig andere Kartenverteilung.

Die Spieler-Props (Torschütze, Anzahl der Schüsse, Vorlagen) sind das am schnellsten wachsende Segment und aus Sicht des Buchmachers eines der besten Geschäfte: Es gibt wenig verlässliche öffentliche Daten, Nachrichten (Verletzung, Rotation, Positionswechsel) bepreisen den Markt binnen Stunden neu, und die Marge ist auch im Vergleich dazu breit. Wer Props spielt, startet aus einem Informationsnachteil und zahlt zugleich einen Aufschlag.

Auf einem Nebenmarkt ist ein „gutes Gefühl“ ein besonders billiges Signal: Von der Eckenzahl oder dem Torschützen hat jeder einen Eindruck, eine verlässliche Verteilung aber nur wenige. Die Lücke zwischen dem Eindruck und der Verteilung bepreist der Buchmacher, zu seinem eigenen Vorteil.

Warum ist die Marge auf Nebenmärkten höher?

Drei Gründe. Erstens: Der Umsatz ist klein, daher deckt der Buchmacher das Risiko von Preisfehlern mit einer breiteren Marge ab. Zweitens: Der Wettbewerb ist schwach – auf einem Nebenmarkt vergleichst du selten fünf Buchmacher, auf den Hauptmärkten schon. Drittens: Die Modellierung ist schwerer, die Daten sind knapper und verrauschter, und diese Unsicherheit zahlst du ebenfalls.

Die Zahlen sind greifbar: Ist die Gesamtmarge auf 1X2 5 % und auf exaktes Ergebnis 22 %, dann ist der Umschlag desselben Geldes auf dem Markt exaktes Ergebnis rund viermal teurer. Mit der Methode aus Kapitel 4 kannst du die Marge jedes Marktes berechnen, und die Spielseite der Plattform zeigt die 150+ Märkte des Anbieters mit Eröffnungs-, Durchschnitts- und bestem Preis (Kapitel 40), dort ist das mit bloßem Auge sichtbar.

Die Lehre ist nicht, dass Nebenmärkte verboten sind, sondern dass dort der Preis am höchsten und dein Informationsnachteil am größten ist. Wenn du sie spielst, behandle es als Unterhaltung und wisse, wie viel du dafür zahlst.